Die Jedermänner waren diesmal an der Schlei auf großer Tour
Start ist der 1. Mai. Wir – die Autofahrergruppe – sind um 10.30 Uhr in der Jugendherberge in Borwedel angekommen. Beeilung, weil wir die Sportgruppe von der Bahn in Schleswig abholen wollen. Wir sind spät dran. Glauben wir. Zum Glück hat die Bahn Verspätung. So kommen wir fast gleichzeitig an. Ganz schöne Strampelei bis zum Bahnhof. Mit solchen Hügeln hatten wir nicht gerechnet. Dabei heißt es ja „schleswig-holsteinisches Hügelland“. Am Bahnhof großes Hallo. Nach Verteilung von süßen Glückskeksen und aufbauenden Traubenzuckerlollis geht es zum ersten Ziel. Picknick ist angesagt. Vorfreude beflügelt die Pedalen. Vorbei am schönen Schloss Gottorf, geht es weiter an der Schlei entlang , am Hafen, lassen links den Dom in den Himmel gucken. Dann zum St. Johannis – Kloster. Erst wollen wir dort rasten – aber so fromm sind wir nun doch nicht. Wir suchen eine Wiese – und finden sie. Ein Gelände, das eigentlich nicht betreten werden darf. Wir tun´s trotzdem. Denn da hinten leuchtet die himmelblaue Schlei. Herrlich! Ein butterblumenübersätes Stück Paradies. Wie geschaffen für ein Picknick. Und das ist nicht von schlechten Eltern. Brötchen, Brot, Käse, Buletten, italienische Spezialitäten und vegetarische Leckereien. Für Jeden ist etwas dabei. Duftender Kaffee. Gute Laune. Sonne. Zum Abschluss noch selbstgebackener Kuchen. Sind wir auf einem Schlemmertörn? Es geht weiter. Kurzer Abstecher in den Klostergarten, über holpriges, po-unfreundliches Pflaster nach Holm, dem alten Fischerdorf; schnuckelige Häuschen, romantische Gärten. Durch Schleswig am Ufer des Fjordes entlang in Richtung Borgwedel. Das sind noch so einige Kilometer. Und nun kommen wieder diese Hügel. Na ja, was hin ist – ist auch zurück. Teilweise schieben wir die Räder. Ankunft in der Herberge. Zimmerverteilung. Gibt keinen Ärger. Sehen mehr oder weniger alle gleich aus. Auch die Bettwäsche. Nur- bei Zweien von uns – haben wohl gestern Nacht die Mücken Party gemacht. Unzählige liegen auf dem Boden. Tot. Der Staubsauger macht dem Ganzen den Garaus. Kurz Betten beziehen, frisch machen (uns), schon geht´s zum Essen. Nicht sehr weit. Aber mit dem Rad will heute keiner mehr… Altes Gemäuer – das Restaurant „Epinard“. Drinnen gemütlich und nostalgisch. An der Decke hängen Instrumente aller Coleur. Ein ganzes Orchester könnte ausgestattet werden. Dank dessen, dass per Internet ja fast alles möglich ist, hatten wir unsere Essenswünsche schon vor Wochen ausgesprochen. Daher gibt es wenig Wartezeit. Wir stillen unseren Appetit mit Leckerem. Draußen vor den Fenstern stehen Wolken von Mücken. Ist erst seit zwei Jahren so- laut Aussage des Wirtes. Folge des Klimawechsels? Na, hier drinnen stört es Keinen. Abschluss des Abends bei einem kleinen Absacker im Aufenthaltsraum der Herberge. 2. Mai. Alle gut geschlafen? Verbaler Austausch der diversen Wehwehchen. Für Einige ist es die erste Radtour in diesem Jahr. Da macht sich schon das eine 0der andere Gelenk, die Knie, der Po (je nach Veranlagung) bemerkbar. Aber was soll´s ? Heute, heute geht es erst richtig los. Aber das wissen wir noch nicht. Nicht Alle. Das Frühstück ist fast hotelreif. Die Stimmung ist wieder gut. Die Sonne strahlt uns an. Was wollen wir mehr? Fahrradfahren! Erster Halt in Fleckeby. Radfahrer treffen auf unser Begleitfahrzeug. Nun werden wir uns wieder an der Fähre in Missunde sehen. Die Einen fahren durch den Wald – und die Autofahrer durch kleine Dörfer, da ja etwas schneller. Sie haben noch Zeit, in einem kleinen Hofladen zu stöbern. Die Fähre bringt uns auf die andere Seite der Schlei. Allerlei Betrieb hier. Es scheint, als sei ganz Hamburg hierher gefahren. Den Autokennzeichen nach. In Brodersby wird noch gehalten, um im dortigen Supermarkt die Vorräte aufzufrischen. Hungern wollen wir nicht. Nun aber- Dörfer lassen wir zurück. Rapsfelder leuchten. Rapskäfer haben sich nicht gezeigt. Sattes Grün der Weiden, der Wiesen. Gepflegte, frühlings- frische Bauerngärten. Ein Genuss für die Großstadt – Augen. Und – ganz wichtig – gute Fahrradwege. Selten, dass wir mal auf der Straße fahren müssen. So können wir uns treiben lassen, oder den Einen oder Anderen überholen. Es gibt ja immer Welche, die das gelbe Trikot ergattern wollen. Gibt es nicht. Also geruhsam weiter. Jeder wie er kann. Zwischendurch ist Sammeln angesagt. Durchzählen, damit ja Keiner verloren geht. Luft zum Verschnaufen. In Ulsnis biegen wir von der Straße ab. Es wird ein Strand versprochen. Was haben wir für ein Glück. Direkt am Anlegeplatz gibt es eine Picknickwiese der gehobenen Klasse. Mit rustikalem Holztisch und Bänken. Sogar ein WC gibt es hier (ist ja nicht unwichtig). Nun geht es wie gestern- Proviant raus. Ist noch viel da. Wirkt nicht wie Resteessen. Kaffee haben wir in den Thermoskannen. Umsichtig, wie wir sind, haben wir heute morgen vorgesorgt. Das ist ein Schmausen. Anschließend- kleines Nickerchen im Gras, Fotomotive suchen, mal rechts um die Ecke gucken. Jedes nach seinem Gusto. Aufbruch, der Weg ist noch weit. Leider geht es nicht Jedem gut und so wird Unser Bus genutzt. Der Rest der Crew strampelt, was das Zeug hält. Etwas bedrückt zuerst. Bald nimmt uns aber die hübsche Landschaft wieder gefangen. Die Hügel werden wieder mehr. Endmoränen der letzten Eiszeit. Etwas anstrengend. Und dann mal eine Prise Wind. Natürlich von vorn. Wie immer. Rechts und links Äcker und Wiesen. Wir wollen zur Klappbrücke nach Lindaunis. Mitten in einem Dorf- wohin geht der Weg? Rechts, links? Wie gut, dass unsere Führerin die Karte dabei hat und entscheidet – rechts. Im geheimen glauben wir nicht Alle, dass es stimmt. Aber es stimmt- und so kommen wir noch zum Gehöft des (Fernseh-) Landarztes. Ganz interessant, wenn man erkennt, wie bei den Dreh´s gemogelt wird. Der Garten sieht jedenfalls ganz anders aus. Endlich an der Klappbrücke. Es dauert eine ganze Weile, bis wir grün zum Überqueren bekommen. Und aufpassen, dass kein Rad in die Gleisen kommt. Geschafft. Auf nach Rieseby. Wir haben Kaffeedurst. Möchten noch einmal rasten. In dem alten Gasthof nimmt uns eine Rosenlaube auf. Kleine Erfrischung. Gut gestärkt, motiviert –aber der Weg hat sich nicht verkürzt. Und diese Hügel – eher Berge- und bis Fleckeby noch sechs Kilometer. Verfluchte Eiszeit. Uns läuft ein wenig die Zeit weg. Die Landschaft ist immer noch schön. Wir haben uns für 19 Uhr in einem Gasthof angemeldet. Verschwitzt wie wir sind, möchten wir uns nicht an den Tisch setzen. Aber wir können den Termin verschieben. Nun aber, in die Pedalen, unter die Dusche, durchatmen. Um 20 Uhr sitzen wir geschniegelt und gebügelt im Gastraum. Sind zwar nicht die Muntersten, schmecken lassen wir es uns trotzdem. 3. Mai Am Sonntag sind wir stolz – mehr als 50 Kilometer haben wir gestern bewältigt. Da durften wir schon ein wenig kaputt sein – oder ? Und heute geht es zurück. Den Weg kennen wir. Vorher noch einen kulturellen Abstecher nach Haithabu. Wenn wir schon mal hier sind. Ausgrabungen aus der Zeit der Wikinger. Lang, lang ist´s her. Nach kleinem Imbiß geht es heim, teilweise mit dem Auto, ansonsten mit der Bahn nach Hamburg. Und im nächsten Jahr? Vorschläge? Vielleicht mal ganz plattes Land.
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